Katholische Pfarrgemeinde  Dom zum Heiligen Kreuz
Nordhausen

Liturgie - Der Zweite Blick

 


Foto: picture alliance/ZUMAPRESS.com|Stefano Costantino


Dieses Evangelium ist ein Geschenk. Zeitlos aktuell bis heute. Ich brauche mich nicht zu beteiligen am täglichen Schaulaufen der Reichen, Schönen und Erfolgreichen. Ich muss meine Ängste und Schwächen nicht hinter einer Maske verbergen. Ich bin geliebt und angenommen so, wie ich bin. Ein zutiefst menschlicher Satz. Denn menschlich ist es ja nicht, aus mir ständig mehr zu machen, als ich in Wirklichkeit bin, das macht mich auf Dauer nur krank. Sondern menschlich ist es – auch wenn wir es vielleicht nur selten antreffen – der sein zu dürfen, der ich bin. Das möchte ich von den Kindern lernen.


Grafik: Frank Gerwin

Es geht Jesus um mich, um Sie, um uns. Er lädt uns ein, auszusteigen aus dem Spiel der besseren und der schlechteren Plätze. Ja, VIP-Loungen und Ehrentribünen sind fester Bestandteil unserer Gesellschaft, so sehr, dass wir uns daran gewöhnt haben, oft in solchen Kategorien zu denken, in „Oben“ und „Unten“, in „Erste“ und „Letzte“ usw. Nicht selten sind wir bereit, bei diesem Spiel, das oft genug bitterer Ernst ist, mitzumachen. Doch denken wir einen Moment darüber nach, was wir uns selbst an Stress, Ärger und Verbitterung damit antun. Jesus sagt uns: Das muss nicht so sein.



Bibelwort: Lukas 14,1.7-14 (Evangelium vom 22. Sonntag im Jahreskreis)

AUSGELEGT!

Nein, wenn du ein Essen gibst, dann lade Arme, Verkrüppelte, Lahme und Blinde ein.
Viel aktueller könnte ein Gleichnis Jesu nicht sein. Die Mächtigen und Reichen schmieden Allianzen ausschließlich zu ihrem Vorteil, um ihre Macht auszubauen. Sie knüpfen Netzwerke, die ihnen nutzen und fragen nicht nach den Auswirkungen auf die da „draußen“. Wollen wir da mitspielen? Unsere Gruppe zuerst? Wir Arbeitenden gegen die Bürgergeldempfänger/-innen? Wir Deutschen gegen die Migranten? Oder lassen wir uns von Jesus einladen. Er sagt: lebt ihr eine Alternative vor. Handelt und wirtschaftet nicht nur nach Nutzen und Ansehen, nach Rang und Reichtum. Habt ein größeres Herz. Denn wenn ihr nur an euch denkt, in Konkurrenz zu den anderen – bin ich besser, größer, schöner, reicher – dann wird es irgendwann vorbei sein mit eurem hohen Rang. Es bleibt das schale Gefühl des Abstiegs, das Gefühl, nicht mehr mithalten zu können. Es gibt eine andere Art, die glücklicher macht. Füllt die Erde mit Liebe. Gebt, ladet ein, verschenkt Zeit und Güter. Ohne Berechnung. Nur aus Liebe. Gerade an die ganz anderen, an die, die raus sind aus dem Spiel um Macht und Ansehen. Einfach weil es schön ist, zu lieben. Das bleibt.

Klaus Metzger-Beck



Quelle: Bermoser + Höller Verlag AG
Foto: picture alliance/ZUMAPRESS.com|Stefano Costantino
Grafik: Frank Gerwin
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