Katholische Pfarrgemeinde  Dom zum Heiligen Kreuz
Nordhausen

Liturgie - Der Zweite Blick

 


Foto: Michael Tillmann


Die Männer, denen die Stunde der großen Freiheit im Stall zu Bethlehem schlug, hatten die Wüste bestanden. Die äußere Wüste der Einsamkeit, der verlassenen Heimat, der geopferten Bindungen und Beziehungen, der eintönigen und zähen Wüstenfahrt. Und die innere Wüste der sternlosen Zeit, der Frage, des Zweifels, der Bangigkeit und Sorge. Es war ein weiter Weg, und selbst im Glanz der glückhaften Begegnung verloren ihre Gesichter nicht die Spuren der Stunden der Bewährung. Die Wüste gehört dazu (…). Die großen Aufbrüche der Menschheit und des Menschen werden in der Wüste entschieden. Sie haben ihren Sinn und ihren Segen, die großen leeren Räume, die den Menschen allein mit dem Wirklichen lassen (…). Die Wüsten müssen bestanden werden. Und ich weiß dies: ich bin nicht allein (…), der Stern wird über der Wüste stehen.

Alfred Delp, aus: Epiphanie 1945


Foto: Peter Kane +

Eine Geschichte mit dramatischen Wendungen ist die Erzählung der drei Könige: Aufbruch. Erste Panne: Die dem Stern folgen sollen, folgen den eigenen Gedanken: „Ein König gehört in einen Palast!“ Folgenschwerer Irrtum, den – nachdem die Könige wieder in die Spur gefunden haben und beim Kind gewesen sind – ein Engel korrigiert. Die Könige kehren zurück, ohne das Kind an Herodes zu verraten. Gott greift ein, um das Kind zu schützen.


Bibelwort: Johannes 1,1-18 (Evangelium vom Hochfest Erscheinung des Herrn)

AUSGELEGT!

Der Stern ging vor ihnen her.
Wer kennt sie nicht, diese Frage: Ist das der richtige Weg? Wir ahnen, dass eine Menge abhängt von dieser Entscheidung. Auf dem falschen Weg könnte man das Entscheidende verfehlen oder in gefährliche Gebiete geraten. Auch die drei Weisen auf der Suche nach dem Kind waren angewiesen auf Orientierungshilfe und zunächst nicht sicher vor der Verführung durch Herodes‘ bösen Plan. Ein Stern und ein Traum erwiesen sich schließlich für sie als entscheidende Zeichen auf dem Hin- und Rückweg. Nicht das hinterhältige Schmeicheln und Werben des mächtigen Königs konnte ihren inneren Kompass für Liebe und Gerechtigkeit außer Kraft setzen. Die Sprache von Stern und Traum war und bleibt eine andere, lässt manches offen und erzählt gerade deshalb von einem Vertrauen, das auch durchs Ungewisse zum Guten führen kann. Die Stimmen unterscheiden, auf den Zungenschlag hören und Zeichen lesen lernen – das ist auch heute noch von Bedeutung, wenn wir uns entscheiden, wo es lang gehen soll. Nicht immer leuchtet so deutlich ein Stern am Himmel. Aber vielleicht in uns? Die Sprache des Vertrauens bringt Licht ins Dunkel – auch unverhofft.

Susanne Brandt

Quelle: Bergmoser + Höller Verlag AG
Foto 1: Michael Tillmann; Foto 2: Peter Kane
Bild im Header:
siehe Seite "Liturgie"

E-Mail
Anruf
Karte
Infos