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Foto: Michael Tillmann

 

Die menschliche Geschichte ist eine Freiheitsgeschichte. Das meint die Paradies-geschichte mit der Erzählung vom Apfel, den Adam und Eva essen oder eben nicht essen – es ist ihre Wahl. Doch wenn das Leben eine Freiheitsgeschichte ist, muss es auch scheitern können.
Wenn der Mensch wirklich zwischen Gut und Böse entscheiden kann, dann muss diese Entscheidung auch Konsequenzen haben.

Ausgelegt!

Bibelwort: Markus 9,38-43.45.47-48 (Evangelium vom 26. Sonntag im Jahreskreis)


Die Jünger sind in aufgeregter Stimmung: Jemand hat im Namen Jesu Dämonen ausgetrieben, und sie haben versucht, ihn daran zu hindern, „weil er uns nicht nachfolgt.“ „Uns“ – sie identifizieren sich sehr mit dem Anliegen und dem Handeln ihres Meisters. Aber vielleicht treiben sie es mit ihrem Eifer und mit ihrem guten Willen vielleicht doch ein wenig zu weit. Jesus bleibt jedenfalls ruhig und relativiert ihre Aufregung. Er rückt die Urteile seiner Freunde zurecht, die Kategorisierungen, wer sich Jünger nennen darf und wer nicht: „Wer nicht gegen uns ist, der ist für uns.“ Wie wunderbar – Jesus hat keinen Exklusivitätsanspruch, und er zieht seine Kreise weit. Er ist großzügig, wenn es darum geht, wer sich im Namen Gottes für das Leben einsetzen darf. Ich denke bei dieser Stelle an Papst Johannes XXIII., der seine Enzyklika „Pacem in Terris“ an „alle Menschen guten Willens“ adressiert hat. Spätere Päpste haben es ihm nachgemacht und haben ebenfalls alle Menschen guten Willens als Partner und Partnerinnen angesprochen; alle Menschen, die sich für unsere Erde und für das Leben einsetzen. Und schließlich kommen da noch eine Portion Humor und Übertreibung dazu: Hau die Hand und den Fuß ab, reiß dein Auge aus. Es ist ja schwer vorstellbar, dass Jesus seine Mitmenschen tatsächlich einbeinig und einhändig durchs Leben gehen sehen will. Das Evangelium heute lehrt mich die Kunst des Humors und des Relativierens, und zugleich lehrt es mich die Kunst, gemeinsam mit anderen das Entscheidende in den Blick zu nehmen.

Christine Rod MC

 

Quelle: Bergmoser + Höller Verlag AG;




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