Aktuell - Da staune ich aber...
Da bin ich gern zu Gast
Laut der Touristik-Webseite „trivago“, die nach eigener Auskunft auf die Daten von über einer Millionen Hotels weltweit zurück-greift, können Sie in Deutschland 146-mal in einem „Hotel zur Post“ absteigen. Damit ist dieser Name der häufigste Hotel-Name in diesem Land. Auf den Plätzen zwei und drei folgen die „Hotels zur Krone“ (85-mal) und „Zur Linde“ (73-mal). Einen „Gasthof Zufrie-denheit“ finden Sie dagegen nur in Naum-burg an der Saale und ein Gästehaus Zufriedenheit in Garmisch-Partenkirchen.
Die Namens-Spitzenreiter sind oft historisch begründet. Dort, wo Sie jetzt zur Ruhe kom-men können, ruhten sich früher Postreiter oder Könige aus, stand oder steht ein Lindenbaum.
Aller Wahrscheinlichkeit nach sind Sie weder Postreiter noch adelig; was Sie als Gast suchen, kommt im seltenen Namen viel eher zum Ausdruck: Zufriedenheit.
Zufriedenheit ist laut der Zeitschrift „Psychologie heute“ Ausdruck eines tiefen inneren Seelenfriedens; viel stabiler als Glück oder Freude. Und viel weniger von äußeren Rahmenbedingungen abhängig als die anderen Hochgefühle. Der antike Schriftsteller Plutarch schrieb schon vor fast 2.000 Jahren: „Ein angenehmes und heiteres Leben kommt nie von äußeren Dingen, sondern der Mensch bringt aus seinem Inneren wie aus einer Quelle Zufriedenheit in sein Leben.“
Was soll ich dann noch ins Hotel gehen, mögen Sie fragen. Es ist nicht zwingend notwendig, doch hilfreich kann es schon sein. Die Quelle der Zufriedenheit in Ihrem Inneren versandet im Alltag schnell durch Arbeit und Sorgen. Da hilft es schon, zur Ruhe zu kommen, das Wesentliche in den Blick zu nehmen, mich neu auf mich selbst zu konzentrieren. Und nicht nur auf mich selbst. Noch einmal die Psychologie-Zeitschrift: „Zufriedenheit beinhaltet Ich-Erweiterung und -Überwindung.“ Oder anders ausgedrückt: Nächstenliebe und Hinwendung zu Gott.
Im „Gasthof Zufriedenheit“, bei Post, Krone oder Linde oder in Ihren eigenen vier Wänden.
Michael Tillmann
Foto: Michael Tillmann
