Katholische Pfarrgemeinde  Dom zum Heiligen Kreuz
Nordhausen

 Aktuell - Baustelle Ostern


Baustelle Ostern

Foto: Michael Tillmann +

Was soll hier repariert werden? Vordergründig ein kunstvoll gestaltetes Grabmal – wahr-scheinlich aus einem früheren Jahrhundert. Doch das Osterfest lädt uns ein – nein, fordert uns sogar dringlich auf – hinter das Vorder-gründige zu schauen. Deshalb noch einmal die Frage: Was soll hier repariert werden

Ist es das Grab in Jerusalem, nahe der Kreu-zigungsstätte, nach dem Geschehen des Ostermorgens? Weil ein Ereignis wie die Auferstehung nicht spurlos an einem irdischen Grab vorüberzieht? Wurde vielleicht mehr zerstört als der weggerollte Stein?

Oder braucht Jesus selbst ein wenig Unter-stützung? Er, der ganz und gar Mensch ge-worden ist, bis hinein in den Tod, ist vielleicht etwas wackelig auf den Beinen, nachdem Gott derart macht- und kraftvoll an ihm gehan-delt hat. Oder ist das zu menschlich gedacht? Kann ich überhaupt zu menschlich von Jesus denken?

Nun, alle die, die an Ostern nicht glauben können oder nicht glauben wollen, die würden vielleicht das Grab gerne wieder verschließen, dem am Boden liegenden Tod auf die Sprünge helfen, damit alles wieder seine Ordnung hat. Nicht Baustelle Ostern, sondern Reparaturwerkstatt für die menschliche Vernunft. Damit nur das möglich ist, was möglich sein darf?

Fragen über Fragen. Und das ist gut so. Wer meint, zu Ostern alle Antworten zu kennen, fragt vielleicht nicht tief genug. Und deshalb lautet die Antwort auf die Frage: Was soll hier repariert werden? Wir, Sie und ich.

Oder genauer: Unser Auferstehungsglaube. Diese Antwort ist keine Kritik daran, dass Ihr oder mein Glaube an die Auferstehung zu klein oder zu schwach wäre – so etwas gibt es gar nicht. Sondern das ist der Hinweis darauf, dass wir, dass Sie und ich nie mit Ostern fertig sind. Dass wir keinen Oster-glauben haben, sondern dass dieser Glaube immer im Werden ist. Und das ist gut so. Immer im Werden ist, bis zu dem Tag, an dem wir dem Auferstandenen von Angesicht zu Angesicht begegnen.

Michael Tillmann


Quelle: Bergmoser + Höller Verlag AG
Text und Foto: Michael Tillmann

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