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Filialgemeinde Großlohra

Geschichtliches

 

Katholische Kirche

Die katholische Gemeinde Fried- richslohra mit der dortigen St.- Bonifatius-Kirche gibt es seit 1777. Da gehörte der Ort zu Preußen und Nordhausen war eine „Freie Reichsstadt“.  

20 Kilometer liegen zwischen den beiden Orten – aber die „gefühlte Entfernung“ war unter den damaligen politischen Verhältnissen weitaus größer.

 

Eine Kirche hatte man nun zwar in Friedrichslohra gebaut. Aber es gab in ganz Preußen keinen Bischof, der sie hätte einweihen können. 60 Jahre stand sie schließlich schon – die politischen und kirchlichen Verhältnisse hatten sich inzwischen geändert – da erinnerte man sich der noch fehlenden Weihe. Da nun kommt Nordhausen ins Spiel: Benediziert wurde die Kirche am 1. Oktober 1837 durch den Nordhäuser Dechanten H. Ludolph. (Ein eisernes Gedächtniskreuz für ihn befindet sich im Domgelände.) Ihm assistierte sein Kaplan Carl Brinckmann. Ein Bischof – der Paderborner Bekennerbischof Konrad Martin – kam erstmals am 3. Juli 1873 nach Friedrichslohra und konsekrierte die Kirche. Fast 100 Jahre hatte keine Firmung stattgefunden! Da ist es sicher reizvoll, einmal den 25. Juni 1949 daneben zu stellen: Auch das war ein Firmungstag mit gleich zwei Firmungen: nicht weniger als 90 Firmlinge in Friedrichslohra und – man lese und staune – 75 Firmlinge in Wolkramshausen, wo nun schon seit Jahrzehnten kein katholischer Gottesdienst mehr stattfindet.
1300 katholische Flüchtlinge und Heimatvertriebene gab es zu jener Zeit im Gebiet der katholischen Gemeinde – das Mehrfache der „urkatholischen“ Einwohner!

Danach freilich ging es abwärts: 300 Katholiken gibt es – nach der Statistik – heute noch in der Gemeinde und den zugehörigen Dörfern. An der Teilnahme amGottesdienst und dem Gemeindeleben ist das aber nur sehr selten abzulesen.

 

Friedrichslohra ist überdies die „Muttergemeinde“ von Bleicherode. Am 23. Mai 1865 verselbstständigte sich die katholische Gemeinde Bleicherode, die bis dahin zu Friedrichslohra gehört hatte. Seit etlichen Jahren drehten sich die Verhältnisse wieder um: Friedrichslohra wurde zur Tochtergemeinde von Bleicherode.

 

Noch ein kleines Histörchen: Der 15. Weltpriester der Gemeinde – Rudolf Kirchner – war nicht einfach Pfarrer der Gemeinde, sondern führte 24 Jahre lang den etwas sperrigen Titel: „Administrator mit den Rechten und Pflichten eines Pfarrers“. Der Grund: Kirchner war Heimatvertriebener und heimatvertriebene Pfarrer blieben kirchenrechtlich formal Pfarrer der Gemeinde, aus der sie vertrieben worden waren. Sie konnten sich – mussten es aber nicht – in ihre neue Diözese „inkardinieren“ lassen.
Pfarrer Kirchner tat letzteres nicht, weil er meinte, dass er damit die Vertreibung legalisieren würde. Er blieb also (formal) in der Diözese Leitmeritz als Pfarrer von Kratzau (tschechisch: Chrastava) in Böhmen und konnte deshalb in Friedrichslohra „nur Verwalter“ sein.

 

Eduard Seifert, Großlohra 

    

 

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