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Foto: picture alliance/dpa/EKHN/gobasil


Die Bibel auf einem Bierdeckel?

 

So lautete eine Kampagne der evangelischen Kirche Hessen-Nassau. Der Wunsch war es Klartext zu reden, anschaulich rüberzukommen und ein großes Thema verständlich auszudrücken. Deshalb wurden die 30.442 Verse der Bibel in dem Doppelgebot der Liebe zusammengefasst und in drei Sätzen, acht Worten, auf einen Bierdeckel gedruckt.

Ausgelegt!

Bibelwort: Matthäus 22,34-40 (zum Evangelium vom 30. Sonntag im Jahreskreis)


Diese Verse haben es in sich – wegen ihrer Grundsätzlichkeit. Da ist zunächst der Versuch einiger Pharisäer, Jesus zu versuchen, also zu einem Fehler zu bewegen. Vermutlich suchen sie einen Weg, Jesus aus dem Weg schaffen zu können. Religionsführer neigen zur Enge. Neue Gedanken sind verdächtig. Darum erbitten diese Religionsführer von Jesus eine Antwort auf die Frage nach dem höchsten Gebot. Vielleicht, so ihre Hinterlist, verrät Jesus da schon das Judentum. Tut er aber nicht. Im Gegenteil. Als gläubiger und frommer Jude nennt Jesus eben das, was als „höchstes“ Gebot gilt: Gott zu lieben – und die Nächsten ebenso. Mit diesem Machtwort aus dem 5. Buch Mose (6,5) und dem Zusatz der Nächstenliebe ist das Gespräch, das als Falle begann, beendet.

Für uns auch. Jesus beantwortet die Frage aller Fragen. Was ist christlich? Was zeichnet unsere Heiligkeit vor Gott aus? Was ist das Wesen der Kirche? Nicht die Regelungen des Glaubens, sondern die Ermöglichung von Gottesliebe und Menschenliebe. Eine Kirche, die sich in Frage- und Antwortspielen verstrickt und in Regelungen, wer dazugehört und wer nicht, verfehlt ihren Auftrag und verliert ihre Aufgabe. Also verliert sie sich. Anders gesagt: Kirche ist eine Ermöglichung von Liebe. Damit Liebe lieben kann – gegen alle Erfahrung.

 

Michael Becker


Quelle: Bergmoser + Höller Verlag AG

2. Bild links: Bild: Doris und Michael Will In: Pfarrbriefservice.de

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